Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen dieses Regimes (Steuern, Ungerechtigkeiten, die aufgezwungene Einsetzung von Beamten usw.) führten zum Ausbruch des Aufstands, der - unter der Führung von Michael Gaismair, der bereits den ersten Auseinandersetzungen nahe Brixen gegen das Stift Neustift zum Anführer ernannt wurde - ganz Tirol, nördlich wie südlich des Brenners erfasste, einschließlich der Trentiner Täler Nonstal, Sulztal und Fleimstal.
Gaismairs politisches und soziales Genie zeigte sich vor allem in der Ausarbeitung der über 90 Artikel umfassenden "Landesordnung" - der neuen Tiroler Verfassung -, die 1525 von einem Landtag ausschließlich aus Bauern- und Bürgervertretern in Meran verabschiedet wurde: eine grundlegende egalisierende Gesellschaftsreform, das Ende der feudalen Privilegien von Klerus und Adel, eine kollektive Bemühung zur Volksbildung, wirtschaftliche Sanierung auf Grundlage der Vergesellschaftung der Bergwerke, der Trockenlegung von Sümpfen und eines neuen gleichberechtigten Verhältnisses zwischen Land und Stadt; eine dezidiert demokratische politische Ordnung, mit einer Bewaffnung des Volkes anstelle von Söldnerheeren.
Der Aufstand wurde - wie im übrigen Europa - niedergeschlagen. In Tirol hatte man ihm das durchdachteste und stimmigste politische Programm gegeben, das aus dieser Zeit bekannt ist. Gaismair musste jedoch fliehen und wurde schließlich 1532 in Padua - auf dem Gebiet der Republik Venedig, die seine Bemühungen zur Neuorganisation der Bauern zeitweise aus anti-habsburgischen Motiven unterstützt hatte - von kaiserlichen Auftragsmördern getötet. Das Scheitern dieses Aufstands auch in Tirol machte jegliche Vorstellung eines Widerstands gegen die bestehende Obrigkeit radikal und - bis heute - endgültig zunichte. Erst mit Andreas Hofer, Ende des 18. Jahrunderts und bis 1810, kam es erneut zu einem Volksaufstand - diesmal jedoch, um die Rückkehr Tirols unter den Kaiser und die Wiederehrstellung der Rechte von Adel und Klerus zu fordern.
Gaismair geriet in Vergessenheit und wurde verdrängt. Erst im 19. Jahrundert begannen liverale und später sozialistische Kreise, sich wieder mit ihm zu beschäftigen und ihn neu zu würdigen. Die Nationalsozialisten versuchten ihrerseits in den 1930er-Jahren, ihn zu einem völkischen Helden in ihrem Sinne zu stilisieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen auch linke Bewegungen Gaismair wiederzuentdecken, über den bereits Marx und Engels mit großer Bewunderung geschrieben hatten. Die bedeutendste wissenschaftliche Arbeit über Gaismair stammt bezeichnenderweise nicht von einem Tiroler oder Österreicher, sondern von einem tschechoslowakischen Historiker: von Josef Macek, einem Experten der europäischen Renaissance.
450 Jahre nach seinem Todestag am 15. April 1532 organisiert das "Kontaktkomitee fürs andere Tirol" (eine Koordinationsstelle progressiver und minderheitlicher Akteure in Gesellschaft, Kultur und Politik in Süd- und Nordtirol) gemeinsam mit der Michael-Gaismair-Gesellschaft in Innsbruck, der Südtiroler Hochschülerschaft und weiteren kulturellen Einrichtungen in Bozen die "Gaismair-Tage 1982". Diese finden in zwei Sitzungen am 16. und 17. April in Bozen statt und beinhalten eine historische Tagung sowie die Vorstellung einer umfassenden Forschungsarbeit zum "politischen und gesellschaftlichen System Tirols".
Damit im Tiroler Gewissen auch die Revolte Platz finde.
01.03.1982, Trentiner und Südtiroler Vorträge, März 1982