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Im historischen Deutschhaus – dem ehemaligen Sitz des Deutschen Ordens – verbindet das Stadt- und Multschermuseum Sterzing Vergangenheit und Gegenwart. In Räumen mit barocken Wandmalereien trifft Stadtgeschichte auf aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen.

Herzstück der Sammlung ist der spätgotische Flügelaltar von Hans Multscher aus dem 15. Jahrhundert. Ergänzt wird er durch Objekte zur Zunft- und Handwerksgeschichte, die Einblicke in die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen Sterzings geben.

Das Museum versteht sich als lebendiger Ort des Austauschs: Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen laden dazu ein, Geschichte als offenes Gefüge zu erleben und mit Fragen von Gegenwart und Zukunft in Beziehung zu setzen.

Öffnungszeiten: Mai–Oktober, Do–Sa 10-12.30 und 14–17 Uhr, im Juli und August auch dienstags und mittwochs geöffnet. Montags, sonntags und an Feiertagen geschlossen.

Preise: Erwachsene 5,00 Euro / Kinder und Studierende unter 27 Jahren 2,50 Euro / Kinder unter 6 Jahren, Menschen mit Behinderung und ihre Begleitperson, Reiseleiter*innen, ICOM-Mitglieder, Presse gratis / Führung (nach Anmeldung, bis 25 Personen) 20,00 Euro

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Programm

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16/05 - 31/10
#Kunst
Hure oder Heilige – Frau sein in Italien
#Kunst
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16/05/2025

Eröffnung

In kaum einem anderen europäischen Land sind weibliche Stereotype so verbreitet und widersprüchlich wie in Italien. Unter dem Einfluss von katholischer Kirche, Faschismus und Medien haben sich zwei gegensätzliche Rollenbilder besonders verfestigt: die Hure und die Heilige. Gilli und Bachmann gehen der Frage nach, was es heute bedeutet, in Italien eine Frau zu sein, und stellen in fotografischen Porträts und persönlichen Geschichten differenzierte Lebensrealitäten den gängigen Klischees gegenüber.

Im Zusammenspiel mit der weiterhin gezeigten Ausstellung „Den Aufstand proben“ sowie den historischen Beständen des Museums eröffnet die Ausstellung einen Raum, der sich mit Fragen von Geschlechterverhältnissen, gesellschaftlicher Teilhabe und Handlungsspielräumen auseinandersetzt. Vergangenheit und Gegenwart treten dabei in einen Dialog, der zentrale Themen des Museums – wie Mitbestimmung, soziale Dynamiken und gesellschaftlichen Wandel – neu verhandelt.

Das Museum versteht die Ausstellung als Beitrag zu einer aktuellen Debatte, die angesichts digitaler Echokammern und Phänomene wie der sogenannten „Mannosphäre“ zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ort

Stadt- und Multschermuseum Sterzing, Deutschhausstr. 11, 39049 Sterzing

de
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02/05 - 31/10
#Kunst
Den Aufstand proben
#Kunst
de
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it

Zeitgenössische Kunst trifft auf Geschichte: Die Ausstellung verknüpft aktuelle künstlerische Positionen mit den Räumen und Objekten des Museums und fragt, wie wir heute über Macht, Teilhabe und Widerstand sprechen. Im Zentrum stehen Arbeiten, die Unterdrückung, Geschlechterverhältnisse und soziale Kämpfe neu imaginieren – spielerisch, kritisch, poetisch.

Ausgehend vom Tiroler Bauernkrieg 1525 und der Figur Michael Gaismairs spannt die Ausstellung einen Bogen bis in die Gegenwart und fragt: Wie entsteht Gemeinschaft? Wie zeigt sich Widerstand? Und was kann Kunst dazu beitragen?

Mit Werken von
Berty Skuber, Chiara Fumai, Christian Falsnaes, Fluoro Fleece Kunstkollektiv, Franz Pichler, Ingrid Hora, Jakob De Chirico, Jasmine Deporta, Karl Plattner, Leander Schwazer, Maria C. Hilber, Othmar Winkler, Peter Kaser, Peter Lorenz & Yaron Guerrero Santos

Ort

Stadt- und Multschermuseum Sterzing, Deutschhausstr. 11, 39049 Sterzing

Gesponsert von

Raiffeisenkasse Wipptal

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07/07 - 25/08
#Meditationen
In der Ruhe liegt die Kraft
#Meditationen
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04/08/2026

Yoga

8:30 - 9:45 Uhr

11/08/2026

Yoga

8:30 - 9:45 Uhr

18/08/2026

Yoga

8:30 - 9:45 Uhr

25/08/2026

Yoga

Die Führung in deutscher Sprache findet gleich nach der Yoga-Einheit statt.

Zur Ruhe kommen, Kraft tanken und neue Perspektiven gewinnen. In Verbindung mit unseren Ausstellungen erhalten Sie Impulse für Körper und Geist.

Leitung

Gabriella Genetin

Kosten

12,00 Euro (inklusive Museumeintritt)

Ort

Stadt- und Multschermuseum, Deutschhausstraße 11, 39049 Sterzing

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02/07 - 27/08
#Kunst
Kostenlose Sommerführungen
#Kunst
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06/08/2026

Kostenlose Führung

10.00 - 10.30 Uhr

13/08/2026

Kostenlose Führung

10.00 - 10.30 Uhr

20/08/2026

Kostenlose Führung

10.00 - 10.30 Uhr

27/08/2026

Kostenlose Führung

10.00 - 10.30 Uhr

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11/09
17:00
#Kunst
Kunstgeschichte(n)
#Kunst
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Zeitgenössische Kunst trifft auf historische Umgebung: Mit der Einweihung eines neuen Werkes von Peter Kaser erweitert das Museum seinen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Ort

Stadt- und Multschermuseum Sterzing, Deutschhausstr. 11, 39049 Sterzing

Fokus

Fokus

Fokus

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Fokus

MICHAEL GAISMAIR

27/03/2025

von Alexander Langer

Wer ist der Nationalheld Tirols? Die Mehrheit der Befragten - Tiroler ebenso wie Nicht-Tiroler - würden dies ohne Zögern mit "Andreas Hofer" beantworten, dem Kopf des in gewisser Hinsicht jenem der Vendée gleichenden Aufstands, der die Tiroler in napoleonischer Zeit gegen die französisch-bayerischen Heere führte, die mit ihren Bajonetten die Segnungen der Französischen Revolution und der bürgerlichen Aufklärung brachten.

Damit im Tiroler Bewusstsein auch der Aufstand wieder seinen Platz finde. Den Denkmälern, dem kollektiven historischen Gedächtnis und der Tiroler Geschichtsschreibung nach zu urteilen, scheint diese Antwort nahezuliegen.

Es gibt aber noch eine weitere Figur in der Tiroler Geschichte, die sich in ganz anderer Weise durch ihr europäisches Format und ihre gesellschaftspolitische Bedeutung auszeichnet, die jedoch aus verschiedenen Gründen zur Seite gedrängt und vergessen wurde. Es handelt sich um Michael Gaismair, den nach Thomas Müntzer bekanntesten politisch-militärischen Anführer des europäischen Bauernkriegs des 16. Jahrunderts. Gaismair wurde auf einem Bauernhof in Tschöfs bei Sterzing (oder "Vipiteno", gemäß der Übersetzung von Tolomei) geboren, und er hatte recht bald, auch dank seiner außergewöhnlichen intellektuellen Begabungen, die Regierungspraktiken der herrschenden Klassen Adel und Klerus kennengelernt: er hatte im Dienst der habsburgischen Landeshauptleute Tirols sowie des Bischofs von Brixen gestanden.

Zu dieser Zeit erhoben sich in ganz Mitteleuropa die Bauern gegen feudale Unterdrückung und Ausbeutung und nahmen die Lehre der protestantischen Reformation als ideologische Legitimierung für ihre Forderung nach Freiheit und Gleichheit und den Sturz der feudalen Privilegien. In den Jahren von 1519 bis 1526 erfasste der Bauernkrieg zahlreiche Regionen, von Thürigen bis Schwaben, von Tirol bis Salzburg, von Bayern bis Sachsen. Der Aufstand wurde vor allem deshalb niedergeschlagen, weil sich das aufstrebende Bürgertum nach anfänglichem Zögern auf die Seite des Adels und nicht auf die der Bauern schlug: eine historische Niederlage, die im gesamten deutschsprachigen Raum jeglichen revolutionären Geist über die folgenden Jahrhunderte hinweg drastisch hemmte. In Tirol hatten die Bauern, aber auch ein Teil des städtischen Kleinbürgertums und des niederen Klerus, ähnliche Sorgen wie alle anderen Bauern in Süddeutschalnd: Eine lange Tradition relativer Freiheit und Würde wurde allmählich von einem immer habgierigeren Adel unterdrückt, der den Verlust seiner Macht durch den Aufstieg des Bürgertums mit einer noch schärferen Ausbeutung der Ländereien kompensierte.

Die wirtschaftliche und soziale Lage der Bauern hatte sich verschlechtert, die Roboten waren maßlos angestiegen, die bäuerlichen Freiheiten und Rechte nahezu vollständig zugunsten des Adels entzogen worden. Hinzu kam eine wachsende Kluft zu den Lebensverhältnissen (und Preisen) in den Städten, die sich just in jener Zeit zu den eigentlichen Machtzentren entwickelten.

In Tirol wirkte das von dem Landesfürsten - dem habsburgischen Fürsten von Tirol - Ferdinand eingeführte Herrschaftssystem als zusätzlicher Funke zur Erhebung. Ferdinand war in Spanien erzogen worden, daher waren ihm die Freiheits- und Autonomietraditionen völlig fremd, die sich das Tiroler Volk und der damals bereits im Landtag vertretene vierte Stand (die Bauern) zu erkämpfen und gegen die zentralistischen Bestrebungen des Wiener Hofes zu verteidigen gewusst hatten.

Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen dieses Regimes (Steuern, Ungerechtigkeiten, die aufgezwungene Einsetzung von Beamten usw.) führten zum Ausbruch des Aufstands, der - unter der Führung von Michael Gaismair, der bereits den ersten Auseinandersetzungen nahe Brixen gegen das Stift Neustift zum Anführer ernannt wurde - ganz Tirol, nördlich wie südlich des Brenners erfasste, einschließlich der Trentiner Täler Nonstal, Sulztal und Fleimstal.

Gaismairs politisches und soziales Genie zeigte sich vor allem in der Ausarbeitung der über 90 Artikel umfassenden "Landesordnung" - der neuen Tiroler Verfassung -, die 1525 von einem Landtag ausschließlich aus Bauern- und Bürgervertretern in Meran verabschiedet wurde: eine grundlegende egalisierende Gesellschaftsreform, das Ende der feudalen Privilegien von Klerus und Adel, eine kollektive Bemühung zur Volksbildung, wirtschaftliche Sanierung auf Grundlage der Vergesellschaftung der Bergwerke, der Trockenlegung von Sümpfen und eines neuen gleichberechtigten Verhältnisses zwischen Land und Stadt; eine dezidiert demokratische politische Ordnung, mit einer Bewaffnung des Volkes anstelle von Söldnerheeren.

Der Aufstand wurde - wie im übrigen Europa - niedergeschlagen. In Tirol hatte man ihm das durchdachteste und stimmigste politische Programm gegeben, das aus dieser Zeit bekannt ist. Gaismair musste jedoch fliehen und wurde schließlich 1532 in Padua - auf dem Gebiet der Republik Venedig, die seine Bemühungen zur Neuorganisation der Bauern zeitweise aus anti-habsburgischen Motiven unterstützt hatte - von kaiserlichen Auftragsmördern getötet. Das Scheitern dieses Aufstands auch in Tirol machte jegliche Vorstellung eines Widerstands gegen die bestehende Obrigkeit radikal und - bis heute - endgültig zunichte. Erst mit Andreas Hofer, Ende des 18. Jahrunderts und bis 1810, kam es erneut zu einem Volksaufstand - diesmal jedoch, um die Rückkehr Tirols unter den Kaiser und die Wiederehrstellung der Rechte von Adel und Klerus zu fordern.

Gaismair geriet in Vergessenheit und wurde verdrängt. Erst im 19. Jahrundert begannen liverale und später sozialistische Kreise, sich wieder mit ihm zu beschäftigen und ihn neu zu würdigen. Die Nationalsozialisten versuchten ihrerseits in den 1930er-Jahren, ihn zu einem völkischen Helden in ihrem Sinne zu stilisieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen auch linke Bewegungen Gaismair wiederzuentdecken, über den bereits Marx und Engels mit großer Bewunderung geschrieben hatten. Die bedeutendste wissenschaftliche Arbeit über Gaismair stammt bezeichnenderweise nicht von einem Tiroler oder Österreicher, sondern von einem tschechoslowakischen Historiker: von Josef Macek, einem Experten der europäischen Renaissance.

450 Jahre nach seinem Todestag am 15. April 1532 organisiert das "Kontaktkomitee fürs andere Tirol" (eine Koordinationsstelle progressiver und minderheitlicher Akteure in Gesellschaft, Kultur und Politik in Süd- und Nordtirol) gemeinsam mit der Michael-Gaismair-Gesellschaft in Innsbruck, der Südtiroler Hochschülerschaft und weiteren kulturellen Einrichtungen in Bozen die "Gaismair-Tage 1982". Diese finden in zwei Sitzungen am 16. und 17. April in Bozen statt und beinhalten eine historische Tagung sowie die Vorstellung einer umfassenden Forschungsarbeit zum "politischen und gesellschaftlichen System Tirols".

Damit im Tiroler Gewissen auch die Revolte Platz finde.

01.03.1982, Trentiner und Südtiroler Vorträge, März 1982

Hure oder Heilige

16/05/2026

Frau sein in Italien

Puppe

Seit den 1950er-Jahren und verstärkt durch den Einstieg des späteren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in das Geschäft des Privatfernsehens in den 1970er-Jahren verbreitet das italienische Unterhaltungsfernsehen ein Frauenbild, das von einer Vielzahl an Showgirls geprägt ist. Mithilfe von freizügigen Kostümen, starkem Make-up und schönheitsmedizinischen Eingriffen entstehen puppenhafte Stereotype, an denen sich junge Italienerinnen orientieren. Für manche ist es ein Kindheitstraum, im Fernsehen als Showgirl aufzutreten. Als erstes Sprungbrett dient vielen Mädchen dabei seit Jahrzehnten der Schönheitswettbewerb "Miss Italia". (Bachmann, Gilli 2021, 10)

[...]

Nach einer Karriere als Showgirl steigen manche der Frauen zur (Co-)Moderatorin auf. Auch dann sind sie mit der Herausforderung konfrontiert, Inhalte und den eigenen Körper gleichermaßen zu präsentieren. Ein alternatives Frauenbild gibt es kaum, vor allem nicht zu Hauptsendezeiten. (Bachmann, Gilli 2021, 10)

Neben den Selfies, den Schnuten, den Spiegelbildern schreibt Francesca auf Instagram manchmal Sätze wie: "Vorrei vivere in una bolla per sempre, tra la gente che urla senza sentire niente." / "Ich würde gerne für immer in einer Blase leben, unter schreienden Menschen, ohne sie zu hören." (5. Dezember 2018). "Ti piove dentro, ma fuori sei sole." / "Es regnet in dir, aber draußen bist du Sonne." (9. Mai 2019). "Siamo il ritratto della nostra fragilità, il riflesso della nostra forza." / "Wir sind das Abbild unserer Zerbrechlichkeit, das Spiegelbild unserer Stärke." (17. März 2020). Gedanken, die untergehen in einem Meer aus Farbe. Und Sätze, die nicht weiter entfernt von den Bildinhalten sein könnten. So machen es auch die Influencerinnen, die sie bewundert. (Bachmann, Gilli 2021, 35)

[...] Francesca bewundert jene, die nicht still sind, die auch nach Rückschlägen weitermachen. "Im Wiederaufstehen ist eine Frau sehr schön." Sich eine Unabhängigkeit aufbauen, keinen Mann brauchen, das will auch sie. "Ich möchte meinen Partner nie um Geld bitten müssen." Fragt man sie, was unfeministisch an ihr sei, sagt sie: "Mein Hauptanliegen war immer ein schöner Körper. Aber je hässlicher eine Frau ist, desto eher wird ihr Inneres bewertet. Wenn Männer mich sehen, wollen sie mit mir ins Bett." (Bachmann, Gilli 2021, 42)

Mutter

[...] Ich denke, die Frau soll Frau sein. Sie hat ihre Größen, in vielen Bereichen. Heute sehe ich, dass viele Frauen die Mutterrolle, diese Fähigkeit, Leben zu schenken, nicht mehr lieben. Meine Mutter hat alle zwei Jahre ein Kind bekommen, 23 Jahre war sie entweder schwanger oder hat gestillt. Sie hat ihr Leben gegeben. Davor haben Frauen heute Angst. (Bachmann, Gilli 2021, 185)

Von Beginn an hörte ich die Hebammen Sätze sagen wie: "Gehen wir zu der, die zum Ausruhen hierhergekommen ist." Am Tag darauf fragten sie mich: "War der Urlaub gestern nicht genug? Du hast nichts. Das Kind kommt noch nicht zur Welt" Mein Ehemann war sehr sauer, vor allem auf meine Ärztin, die sich lange nicht blicken ließ. Als sie am Abend erschien. Brachte sie mich in ein Gebärzimmer und sagte: "Willst du nun gebären?" Sie hat mir die äußere Hülle der Fruchtblase von der Gebärmutter gelöst, um die Geburt voranzutreiben. Es war der grauenhafteste Schmerz meines Lebens, weil ich noch nicht so weit war zu gebären und begriff, dass ich tatsächlich eine Nierenkolik hatte. Über den Krankenhausflur rief mir wenig später ein Arztkollege zu: "Bist du immer noch hier? Geh." Kurz darauf wurde ich entlassen. Es war der 5. September 2014. (Bachmann, Gilli 2021, 85)

Im Land der Mütter- und Madonnen-Verehrung, im kindervernarrten Italien, gibt es ein Tabu: Der Moment, in dem Frauen gebären, ist nicht immer ein schönes Erlebnis. Kein größtes Glück, kein wunderbarer Augenblick für sie. Das Ereignis ist, schlimmer noch, oft traumatisch für Mutter und Kind. Nicht, weil eine Geburt mit Schmerzen verbunden ist, sondern weil die Frauen Gewalt erleben. Durch Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Pflegekräfte. Die Gewalt ist meist verbal und manchmal physisch. Bedürfnisse werden ignoriert, die Gebärenden belächelt. Beleidigt. Entwertet in einem ohnehin verwundbaren Moment. (Bachmann, Gilli 2021, 83)

Es war der 6. September 2014, als ich frühmorgens gegen 4 Uhr zu hause Fruchtwasser verlor. Am Nachmittag ging ich erneut ins Krankenhaus. Dort sagte ich den Hebammen, dass ich mein Baby nicht mehr spürte. Sie antworteten, ich solle still sein und nicht dauernd jammern, es passiere erstmal gar nichts. Sie schickten mich unter die Dusche, wo ich in Ohnmacht fiel. Irgenwann hörte ich die Unterhaltung zweier Ärzte. Einer sagte zum anderen: "Dem Kind geht es nicht gut, sie muss entbinden." Der andere erwiderte: "Geh mir nicht auf den Sack! Ich lasse zuerst die andere gebären. Diese hier muss waren." Er meinte mich. (Bachmann, Gilli 2021, 86)

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